Was ist ein Bildband?
Ein Bildband ist eine Serie von einzelnen Standbildern auf einem Zelluloid- oder Plastik-Filmband, oder in einem Papprahmen gefasst, so dass die Reihenfolge der Bilder nicht geändert werden kann. Unterschiedliche Bezeichnungen wurden im Lauf der letzten 100 Jahre benutzt: "Bildband" bezeichnete zunächst den (Lauf-)Film, ab den 1920er bis in die frühen 1930er Jahre nutzte man weitestgehend "Stehfilm", und schließlich "Bildband/Strahlbildband". Im englischen Sprachraum fand sich zunächst "Film-Slide" und "Picturol" (nach der Firma), ehe sich ab den 1940er Jahren "Filmstrip" durchsetzte. In Osteuropa verwendete man "Diafilm".
---> KLEINE PRÄSENTATION ANSEHEN (mp4-Video)
Geschichte
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das fotografische Diapositiv erfunden, eine Weiterentwicklung der bis dato gemalten Durchsichtbilder für sogenannte "Laterna-Magica"- Projektoren. Hierbei wurde eine zuvor entwickelte Foto-Negativplatte mittels verschiedener Verfahren auf eine Diapositivplatte kopiert. Erneut entwickelt, mit einem schützenden Deckglas versehen und eingerahmt stand somit ein projektionsfähiges Glasplattenobjekt mit durchschnittlich 8,5x10 cm Größe zu Verfügung. Die Materialkosten und der notwendige Aufwand machten Glasplattendiapositive zu einer relativ teuren Angelegenheit, die sich kaum in Privathaushalten der mittleren und unteren Einkommensschichten finden konnten. Aber auch Landschulen und selbst Universitäten mussten zu Beginnd es 20. Jahrhunderts einen beständigen Kampf um genügend Gelder zum Erwerb der notwendigen Projektionsmittel führen.
Die Erfindung des Filmes auf Zelluloidband Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete hinsichtlich preiswerterer Projektionsmöglichkeiten einen bedeutenden Fortschritt, der allerdings zunächst nur dem bewegten Bild zugute kam. Forschungen, das Filmmaterial auch für die Fotografie nutzbar zu machen, mündeten einerseits in der Kleinbildkamera "Leica", andererseits im Bildband. Dessen Erfindung geht wohl auf die französische Film-Firma Pathé 1921 zurück. In den USA stellte die Stillfilm Inc., Los Angeles 55 mm -Bildbänder ab 1923 her. Die amerikanischen Firmen Novelview und Tru-Vue entwickelten Stereobildbänder ab etwa 1930, die jedoch nur mit einem Betrachter, keinem Projektor gesehen werden konnten. Die französische Firma Mundus vertrieb ab 1947 Bildbänder auf 16 mm-Film. Spezielle Spielzeugprojektoren hatten oft ihre eigenen, nur von dieser Firma für die Projektoren entwickelten Bildbänder, die sich in Größe und Perforation von Standardbildbändern unterschieden. Eine Besonderheit waren Bildbänder für Dual-Lense-Projektoren, bei der alternierend auf je ein Bild der zwei Reihen auf dem Bildband abgegriffen wurde. Damit wurde die Illusion eines bewegten Filmes erzeugt.
Zahlreiche Verlage (Stand vom August 2025), aber auch kleine Familienunternehmen, politische Parteien und Organisationen, Zeitschriften, caritative Organisationen und nicht zuletzt die Industrie boten Bildbänder für Ausbildungs- und Werbezwecke an. Ab den späten 1920er Jahren häufen sich die Hinweise in Zeitungen auf öffentliche Vorträge von Organisationen und Vereinen.
In Deutschland wurde das Bildband im Schulbetrieb 1940 verboten. In allen anderen Ländern blieb das Medium bis in die 1980er Jahre im Bildungswesen im Einsatz. Bildbänder zur Kinderunterhaltung werden heute noch (2026) von der ungarischen Firma Diafilm produziert und verkaufen sich rasant.
Auch Privatleute konnten (und können sich bei Diafilm) "ihre" Bildbänder bestellen, indem sie entsprechende Vorlagen einlieferten. Spätestens ab den 1950er Jahren war es möglich, sich von Negativfilmen zuhause Bildbandkopien herzustellen, zum Beispiel nach der Kontaktmethode mit diesem Ilford-Printer.
Bildband-Größen und Perforationen
Tru-Vue Stereo-Bildbänder mit normaler und 4,5cm Perforation
Flashy Flickers - Bildband mit Spezialperforation
Duracolor Dual Lense - Bildband
In Deutschland ersetzte ab dem Ende der 1930er Jahre allmählich das doppelt so große Leicaformat das alte "Normalformat".
>>Informationen dazu vom Verlag KMH (Ludwig Schuhmacher)<<
Kino- und Leicaformat (Ed. Liesegang: Einführung in das Wesen und die Wirkungsweise des Stehbildwerfers, Düsseldorf 1936)
Bildband im Leica-Format mit schwarzen Zwischenstücken
Bildbänder erschienen als gerollter Diapositivfilm, mit bis zu 100 Bildern. Diese Rolle wurde in Papp-, Blech-, oder Plasteboxen ausgeliefert. Bildbänder konnten auch als kurzer, flacher Streifen existieren, oder fest in einen Papp- oder Plastikrahmen integriert.
Ein Bildband kostete nur einen Bruchteil einer Glasbilderserie. Als Vorteil wurde auch gesehen, dass die Reihenfolge der Einzelbilder nun nicht mehr durcheinander kommen konnte und dass das Material sehr leicht war und daher gut zu transportieren (Quelle). Die feste Reihenfolge wurde in Deutschland für den Schulunterricht jedoch als Nachteil interpretiert. Ein Bildband war außerdem im Gegensatz zu einem von seinem Deckglas gut geschützten Glasplattendia ungeschützt den Umwelteinflüssen ausgesetzt. "Regenstreifen" tauchten nach einer bestimmten Anzahl an Nutzungen auf und sind heute ein Indiz dafür, ob und wie oft das Bildband gezeigt wurde. Die Bildqualität eines Bildbandes war aufgrund der geringen Größe nicht so gut wie bei einem 8,5 x10 cm – Glasplattendia. Hinzu kam, dass viele Bildbänder nicht durch Kontaktkopie hergestellt wurden, sondern von Papiervorlagen, sogar Postkarten abfotografiert wurden. Das minderte die Qualität von vornherein.
>> Kritik am Bildband und Vorschläge zur Verbesserung (aus: Westfälische Zeitung Nr. 227, Beilage, 28. Sept. 1927) <<
Farbe
Bildbänder auf Farb-Umkehrfilm existierten vermutlich seit 1938. Einer der frühen deutschen Verlage war Johann Eibl in München.
>> Bildband auf Farb-Umkehrfilm von Johann Eibl aus dem Bildbandarchiv <<
Trotz der geringen Größe der Bilder boten manche Verlage an, die Bilder kolorieren zu lassen (per Hand oder mit Schablonen). Dies war noch in den 1950er Jahren der Fall. Der Preisunterschied war erheblich. Der Filmosto-Nachfolger Ascop (Dresden) bot 1956 zum Beispel das Märchen "Der gestiefelte Kater" mit 15 Bildern in Schwarzweiß für 3 DM an, die handkolorierte Version kostete 10,50 DM.
Auszug aus einem ZDF-Doku (2018) über die Bildbandfirma Mikrolux (DDR):